Der Jarmark Domenikański, auch als Dominikanermarkt bekannt, ist eines der grössten und ältesten jährlich stattfindenden Ereignisse in Mitteleuropa und ein wahrer Magnet für Besucher aus aller Welt. Dieses traditionelle Fest, das seine Wurzeln im Mittelalter hat, verströmt auch heute noch einen einzigartigen Charme und bietet die perfekte Gelegenheit, das pulsierende Leben von Danzig hautnah zu erleben.

Im Sommer 2022 unternahmen wir erstmals als Familie eine Reise nach Danzig, während wir einen Urlaub an der malerischen Ostsee genossen. Obwohl unser Aufenthalt damals auf nur zwei Nächte begrenzt war – was sich im Nachhinein als viel zu kurz herausstellte –, zog es uns im darauffolgenden Jahr, 2023, erneut in diese bezaubernde Stadt. Dieses Mal liessen wir uns eine ganze Woche lang von Danzigs Charme verzaubern und verbrachten täglich Zeit auf dem Jarmark Domenikański. Für uns ist der der schönste Markt überhaupt, den wir bisher gesehen haben. Ganz zu schweigen von der Stadt, die uns überwältigt hat.

Ein paar Worte zur Geschichte…

Der Jarmark Domenikański in Danzig ist eine der ältesten Veranstaltungen dieser Art in Europa. Er wurde erstmals im Jahr 1260 ins Leben gerufen, als Papst Alexander IV. den Dominikanermönchen von Danzig das Privileg gewährte, einmal im Jahr einen Markt abzuhalten. Dieser Markt wurde schnell zu einem bedeutenden Handels- und Kulturevent in der Region. Heute zieht der Markt Händler und Besucher aus der ganzen Welt an. Das macht den Jarmark Domenikański zu einem 763 Jahre alten Ereignis, das die Tradition und Geschichte Danzigs widerspiegelt.

Der Jarmark hat im Laufe der Jahrhunderte mehrere Unterbrechungen erlebt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er wegen der Kriegszerstörungen und Besetzung der Stadt ausgesetzt. Nach dem Krieg und unter der sozialistischen Führung der Volksrepublik Polen pausierte der Markt weiterhin, bis er in den 1960er und 1970er Jahren in einer veränderten, stärker staatlich regulierten Form wiederbelebt wurde. Trotz dieser Veränderungen konnte der Markt nach dem Fall des Kommunismus 1989 wieder an seine traditionellen Wurzeln anknüpfen.

Kulinarische Entdeckungen

Eines der herausragendsten Merkmale des Jarmark Domenikański ist zweifelsohne das vielfältige kulinarische Angebot. Besucher können eine breite Palette an Geschmackserlebnissen geniessen.

  • Der ungarische Langosz, ein köstlicher Hefeteigfladen, der frittiert und oft mit Knoblauch, saurer Sahne und geriebenem Käse serviert wird. Wenn ihr einen Langosz kauft, solltet ihr grossen Hunger haben, da dieser sehr sättigend ist.
  • Tatarische Speisen: Ein besonderes Highlight sind die tatarischen Delikatessen. Dazu gehören die Mantis, herzhafte gefüllte Teigtaschen, die traditionell gedämpft oder gebraten werden. Aber auch das süsse tatarische Gebäck, oft reichhaltig verziert und mit exotischen Füllungen, stellt eine verführerische Gaumenfreude dar und spiegelt die reiche kulinarische Tradition der polnischen Tataren wider.
  • Eine besondere Erwähnung verdienen auch die zarten Rosenblätter aus Aserbaidschan, die oft in süssen Delikatessen verarbeitet werden und ein wahrer Genuss für den Gaumen sind. Davon habe ich mir direkt ein paar Dosen gekauft, weil ich diese so in der Schweiz nicht erhalte. Eine selbstgemachte Halva habe ich damit schon verarbeitet.
  • Halva: Ein weiteres Highlight, das man auf dem Jarmark Domenikański entdecken kann, ist Halva. Dieser süsse Leckerbissen hat seine Wurzeln im Nahen Osten, hat aber auch in Polen und vielen anderen Ländern einen festen Platz im kulinarischen Repertoire. Halva wird hauptsächlich aus zerstoßenen Sesamsamen und Honig oder Zucker hergestellt. Die Konsistenz ist fest, aber gleichzeitig zart schmelzend im Mund. Während manche Halva-Sorten pur und unverfälscht sind, bieten andere Varianten zusätzliche Geschmacksrichtungen, indem sie mit Nüssen, Trockenfrüchten oder sogar Schokolade angereichert werden. Meine Lieblingssorte ist die Halva aus Rosenblüten.
  • Honig aus Polen: Polen hat eine lange Tradition in der Imkerei. Auf dem Markt finden Besucher eine beeindruckende Auswahl an Honigsorten. Viele Imker bieten auch Propolis, Bienenpollen und Honigliköre an. Besonders bemerkenswert sind die speziell aromatisierten Honigsorten, die mit Zutaten wie Zimt, Beeren oder Nüssen angereichert sind.
  • Góralskie Spezialitäten: Die Górale sind die Bergbewohner der Tatra-Region im Süden Polens. Ihre Küche ist bekannt für herzhafte Fleischgerichte, Käse und Gebäck. Ein Muss für jeden Besucher ist der „Oscypek“, ein geräucherter Käse aus Schafsmilch, der oft gegrillt und mit Preiselbeermarmelade serviert wird. Ein weiteres Highlight ist „Kwaśnica“, eine saure Kohlsuppe, die besonders in den kalten Wintermonaten beliebt ist. Und wer es süss mag, sollte unbedingt die „Kolaczki“, kleine gefüllte Gebäckstücke, probieren.
  • Ein weiteres Highlight des Jarmark Domenikański ist zweifellos das Brot. Die Brottradition Polens ist reichhaltig und variiert von Region zu Region. Auf dem Markt können Besucher die ganze Bandbreite dieser Tradition erleben. Von dichten Roggenbroten bis hin zu luftigem Weizenbrot, von rustikalen Sauerteiglaiben bis zu süssen Hefegebäcken – die Auswahl ist beeindruckend. Viele Bäcker präsentieren auch Brote mit Zusätzen wie Mohn, Sonnenblumenkernen oder Kürbiskernen. Das Brot, frisch und oft noch warm aus dem Ofen, ist ein wahrer Genuss. Viele Stände verkaufen Brot mit eingelegten Gurken und Schmalz, eine polnische Tradition.
  • Getränke: Polen ist bekannt für seinen Wodka, aber auf dem Jarmark Domenikański können Besucher auch ein traditionelles Getränke wie „Miód Pitny“ (ein Honigwein oder Met) probieren. Den Honigwein kann man auch kaufen und hat so zu Hause noch länger was, was an die Ferien erinnert.

Der Jarmark Domenikański bietet somit eine einzigartige Gelegenheit, die kulinarische Vielfalt Polens an einem Ort zu erleben. Von süss bis herzhaft, von traditionell bis modern – hier gibt es für jeden Geschmack etwas zu entdecken. Es ist nicht nur ein Fest für die Augen und Ohren, sondern vor allem auch für den Gaumen.

Der Jarmark Domenikański erstreckt sich über eine riesige Fläche und bietet Stände aus verschiedenen Kategorien. Von traditionellem Handwerk über Kleidung bis hin zu Antiquitäten – hier gibt es fast alles. Besonders beliebt ist der Flohmarkt, auf dem man einzigartige und oft historische Funde machen kann.

Ein Fest, das Zeit braucht

Die Dauer des Marktes erstreckt sich über 23 Tage (3 Wochen), was den Besuchern ausreichend Zeit gibt, in das bunte Treiben einzutauchen und die vielen verschiedenen Facetten zu entdecken. Zu dieser Zeit sind auch sehr viele Touristen in der Stadt. Bedenkt dies, wenn ihr in ein bestimmtes Restaurant gehen wollt und vergesst nicht zu reservieren.

Kunstvolle Schätze

Danzig ist berühmt für seinen Bernstein, und auf dem Jarmark Domenikański findet man zahlreiche Stände, die diese kunstvollen Schmuckstücken präsentieren. Besonders beliebt sind Kombinationen von Bernstein mit Silber. Ich selbst habe dort einen zauberhaften Ring gefunden, der nach Gewicht verkauft wurde – ein einzigartiges Souvenir, das mich immer an diesen besonderen Markt erinnert und obwohl dieser Ring nicht wirklich speziell ist im Vergleich zu den Schmuckstücken die es in Danzig zu kaufen gibt, werde ich oft darauf angesprochen.

Neben Bernstein können Kunstliebhaber auch die wunderschönen Keramikarbeiten lokaler Künstler bewundern. Des Weiteren bieten zahlreiche Maler ihre Werke an, die die Schönheit und Geschichte Danzigs in Farbe einfangen. Ich bin mit Schalen und Schmuck wieder nach Hause gereist.

Beim Brunnen des Marktes befindet sich der Stand von Frau Renia. Hier wird die Kunst des Soutache, oder „Sutaszki“, präsentiert: eine Technik, bei der schmale Bänder in Mustern aneinander genäht und oft mit Perlen und anderen Verzierungen ergänzt werden. Letztes Jahr war ich fasziniert von ihren Arbeiten und habe mir einige schöne Stücke gekauft. Die Begeisterung hat mich so gepackt, dass ich zu Hause selbst Materialien besorgt und mich an eigenen Kreationen versucht habe. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Der Jarmark Domenikański in Danzig ist nicht nur ein Markt, sondern ein Erlebnis für alle Sinne. Wer sich für Kultur, Geschichte und kulinarische Entdeckungen interessiert, sollte sich dieses Event nicht entgehen lassen und Danzig einen Besuch abstatten. Es wird sicherlich ein unvergessliches Erlebnis!

Was man sonst noch alles in Danzig machen kann, werde ich in einem separaten Post erzählen.