
Als ich auf YouTube über das Buch „Compendium Ferculorum albo Zebranie Potraw“ von Stanisław Czerniecki stolperte, war meine Neugier sofort geweckt. Diese Publikation aus dem Jahr 1682 gibt Einblicke in die barocke polnische Küche, die sowohl durch ihre eigene reiche Tradition als auch durch Einflüsse der aufkommenden französischen Küche geprägt ist. Leider erfuhr ich, dass das Buch nicht ins Ausland verschickt wird. Da aber eine Reise nach Warschau bevorstand, war es für mich klar: Ich würde es mir direkt vor Ort besorgen.

Das Buch und seine Bedeutung
„Compendium Ferculorum“ ist ein Fenster in die polnische Geschichte und Kultur des 17. Jahrhunderts. Es wurde vom Museum des Wilanów-Palastes im Jahr 2009 als erster Band der Serie „Monumenta Poloniae Culinaria“ veröffentlicht und bietet jetzt eine neue, überarbeitete Version. Dieses Buch zeigt, wie die Küche Polens von verschiedenen Kulturen beeinflusst wurde und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Ich konnte es nicht lassen und habe mir direkt ein paar Bücher aus dieser Serie für mein Kochregal gekauft. Über die Küche lerne ich auch die Geschichte des Landes kennen, was mich sehr fasziniert.
Jan Sobieski III und der Palast in Wilanów
Der Besuch im Wilanów-Palast wurde zu einem weiteren Höhepunkt meiner Reise. Der Palast war die Sommerresidenz von König Jan Sobieski III, einer der schillerndsten und bekanntesten Figuren Polens. Sobieskis Regierungszeit, die von 1674 bis 1696 dauerte, war geprägt von militärischen Erfolgen, insbesondere seinem Sieg über die Osmanen in der Schlacht von Wien 1683. Dieser Sieg hatte weitreichende Folgen für Europa. Ein interessanter Aspekt von Jan Sobieskis Regierungszeit ist die Rolle der polnischen Tataren, die ihn unterstützt haben. Diese muslimische Minderheit in Polen war bekannt für ihre militärische Fähigkeiten und diente oft in der polnischen Kavallerie. Die Tataren spielten eine Schlüsselrolle in Sobieskis Sieg über die Osmanen und wurden für ihren Mut und ihre Loyalität geschätzt.
Während einer früheren Reise hatte ich auch die Gelegenheit, die tatarische Gemeinde zu besuchen und einige ihrer traditionellen Gerichte kennenzulernen. Diese Erfahrung hat mich so inspiriert, dass ich tatarische Speisen in mein Kochbuch aufgenommen habe (für das Buch suche ich aktuell einen Verlag). Die Mischung aus polnischen und tatarischen Einflüssen bildet eine reiche kulinarische Tradition, die die vielfältige Geschichte Polens widerspiegelt.
Der Besuch bei den Tataren und der Wilanów-Palast waren nicht nur faszinierende kulturelle Erfahrungen, sondern sie haben auch meine „Kochkunst“ bereichert und mir ein Verständnis für die Verflechtung von Geschichte, Kultur und Küche in Polen gegeben – genau das greife ich in meinem Buch auch auf: Geschichte & Küche.
Besuch im Winter und Sommer
Der Palast in Wilanów, sowohl eine historische Residenz als auch ein beeindruckendes Kunstwerk, bietet zu jeder Jahreszeit eine einzigartige Erfahrung.
Im Sommer
Die wunderschön gestalteten Gärten, voller farbenfroher Blumen (ich habe welche entdeckt, die ich bei mir im Garten auch setzen werde) und exquisiter Landschaftsgestaltung, laden zum Flanieren ein. Hier kannst du gemütlich auf einer Bank sitzen, schlendern oder einfach die Architektur und Kunstwerke bewundern, die den Palast und die Gärten zieren.

Im Winter
Während der Wintermonate verwandelt sich der Palast in Wilanów in ein leuchtendes Wunderland, das aus einer Märchengeschichte zu stammen scheint. Sobald die Sonne untergeht, beginnt die magische Lichtershow. Tausende von Lichtern illuminieren den Palast und die umliegenden Gärten, und schaffen ein spektakuläres Schauspiel von Farben und Formen. Die Lichter sind oft thematisch gestaltet und es werden damit Geschichten erzählt, die mit Polens verflochten sind. Zum Beispiel schauten wir auf dem Palast eine Geschichte, die da mit Lichtern projiziert wurde.
Es ist ein Erlebnis, das sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistert, und bietet eine einzigartige Möglichkeit, den Palast in einem ganz anderen Licht zu sehen. Warme Kleidung ist ein Muss, da die Winter in Warschau sehr kalt sein können.

Leere Rahmen
Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele von Europas wertvollsten Kunstschätzen gestohlen oder zerstört. Der Wilanów-Palast in Warschau bildet hierbei keine Ausnahme. In den Hallen des Museums hängen leere Rahmen, die eine stille, aber eindringliche Erinnerung an die verlorenen Werke darstellen. Schätzungen aus dem Jahr 1942 deuten darauf hin, dass nur noch 50% der Kunstwerke im Museum vorhanden waren. Bis heute sind viele dieser Werke verschollen. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Dank intensiver Suchbemühungen konnten bereits 500 Kunstwerke wiederentdeckt und an ihren ursprünglichen Platz im Museum zurückgebracht werden. Trotz dieser Erfolge dienen die leeren Rahmen weiterhin als mahnende Erinnerung an die Zerstörungen des Krieges und die Bedeutung des Schutzes kulturellen Erbes. Ich habe hier mit der Museumswächterin gesprochen und sie erzählte mir dass erst kürzlich wieder ein Bild im Ausland gefunden wurde. In der Bild-Galerie findet ihr die Bilder und auch noch einen Text auf englisch und polnisch zu dem Thema.



Mein Fazit
Meine Reise nach Warschau wurde durch das Finden eines faszinierenden Buches und dem Besuch im Wilanów-Palast zu einem besonderen Erlebnis. Wenn du in Warschau bist, ist der Palast leicht mit dem Bus, Taxi oder Auto zu erreichen und bietet einen Einblick in die Geschichte und Kultur Polens. Ich habe viele Fotos von meiner Zeit dort, sowohl im Sommer als auch im Winter, die ich gerne teile.





















Eintritt und weitere Details
Der Eintritt in das Museum und den Park ist kostenpflichtig. Mehr Informationen findest du auf der offiziellen Website des Wilanów-Palastes.

